Autor

Vahide Aydın

03.02.2010 21:19

Die prekäre Personalsituation der Jugendwohlfahrt wird immer offensichtlicher

LAbg. Vahide Aydın zum Antrag auf „ressortmäßige Entlastung“ von LR Schmid, Landtagssitzung am 03. Februar 2010

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, hohes Haus!

Der Landes-Rechnungshof hat die Personalsituation der Jugendwohlfahrtsabteilungen der Bezirkshauptmannschaften kritisiert und hat Personalaufstockung dringend empfohlen.

Was geschah bis jetzt für die Entlastung des Personals? De facto noch nichts! Verzeihung, zu behaupten, es wäre gar nichts geschehen, wäre unseriös. Denn auf dem Papier sind Konsequenzen gezogen worden.

Es wurde im Dezember 2009 entschieden, das Personal der Jugendwohlfahrt aufzustocken. Es sind vier zusätzliche Stellen geschaffen worden, die eine Entlastung bringen sollten. Bis diese ausgeschrieben, eingestellt und einsatzfähig sind, müssen die MitarbeiterInnen weiterhin jenseits aller Belastungsgrenzen arbeiten.

Das jüngste Beispiel von der Jugendwohlfahrt in Feldkirch, das letzte Woche an die Öffentlichkeit gelangte, spricht Bände über ein überfordertes System. Die vorgefallene Konflikte sind das Ergebnis schlechter Rahmenbedingungen.

Die Personalpolitik der Landesregierung ist schlicht und einfach verantwortungslos. Noch dazu wo laut Bezirkshauptmann Salomon diese unhaltbare Situation seit Jahren bekannt ist. Ich möchte den Bezirkshauptmann Salomon zitieren, wenn ich darf, Frau Landtagspräsidentin. „Wir haben riesige Probleme… Wir kämpfen seit Jahren mit Mitarbeiterwechseln. Das Team war nie wirklich stabil.“ Und: „Wir suchen krampfhaft neue Leute.“

Die Jugendwohlfahrt binde derzeit 50 Prozent seiner Arbeitskraft, wird Salomon in der Presse zitiert. Zwei Mitarbeiter würden an andere Bezirkshauptmannschaften abgehen, eine Kollegin sei lange schon im Krankenstand, man behelfe sich damit, Fälle an die freien Träger abzugeben.

Das ist in Wirklichkeit ein Katastrophenbericht und ein Hilferuf. Die restriktive Personalpolitik des Landes hat eine Spirale nach unten ausgelöst. Personalmangel führt zu Überforderung. Die Folge sind Krankenstände, die den Personalmangel verschärfen. Dass unter diesen Umständen Fehler passieren und Nerven durchgehen, ist zu erwarten.

In so einer Situation explodieren Konflikte zwischen Mitarbeitern und Klienten nur allzu leicht.

Sie, Frau Landesrätin, mit Ihnen auch die Landesregierung müssen Ihre Verantwortung gegenüber den Familien in Notsituationen wahrnehmen. Letztlich sind die Kinder die Leidtragenden. Wenn Sie Frau Landesrätin diese Probleme jetzt nicht ernst nehmen wollen und rechtzeitig für mehr Personal in ihrem Verantwortungsbereich kämpfen, dann frage ich mich, wer soll es denn dann tun?

Und das ist es, was ich Ihnen vorwerfe: Sie haben sich nicht mit dem notwendigen Nachdruck für den Ihnen anvertrauten Verantwortungsbereich eingesetzt. Sie haben nicht für gute Rahmenbedingungen für die Jugendwohlfahrtsabteilungen in den Bezirkshauptmannschaften gekämpft. Sie haben nicht gekämpft, sondern brav die restriktiven Vorgaben ihres geizigen Chefs vollzogen. Sie haben nicht Sozialpolitik gemacht, sondern Budgetpolitik vollzogen.





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