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09.01.2022 Newsmeldung

Grüne Vi­sion für einen Touris­mus mit Zukun­ft

Vorarlberg steht für Innovation – immer schon. Und darum sind wir davon überzeugt, dass Vorarlberg auch in Sachen Nachhaltigem Tourismus europaweit führend werden kann.

 

Stellen Sie sich vor: Der Urlaub beginnt mit einer entspannten Anreise mit dem Nachtzug, die ÖBB hat das Gepäck vorab bei Ihnen abgeholt und liefert es direkt zur Unterkunft. Am Bahnhof angekommen wartet ein Shuttle auf Sie und bringt Sie ganz ohne Auto, ohne Stau, dafür ausgeschlafen und erholt zu ihrem Ziel. Oder sie benutzen kostenlos mit der Gästecard die Öffis.

Und wenn sie dann in die Berge gehen finden Sie tatsächlich plastikfreie Berge vor. Sie wandern in einer intakten Natur. Zu Mittag genießen Sie in einer Berghütte regionale Speisen – der Wirt kann Ihnen genau erklären, wo er den Salat eingekauft hat, welcher Landwirt die Kartoffeln geliefert hat, von welchem Hof die Eier geliefert werden. Bei einem Blick ins Tal fällt Ihnen auf, dass die großen Bettenburgen kleinen Hotels gewichen sind. Der Gastwirt wird Ihnen dann beim Abendessen voller Stolz berichten, dass endlich wieder mehr kleinstrukturierte Familienbetriebe gut vom Tourismus leben können. Weil man endlich erkannt habe, wie wichtig die regionale Wertschöpfung sei. Und gleichzeitig die Chancen, die damit verbunden sind.

 

Das Grüne Leitbild “Tourismus mit Zukunft” setzt alles daran, damit diese Vision Realität wird:

Nachhaltiger Tourismus: Was ist das?

Nachhaltigkeit ist kein neuer Trend, auch wenn der Begriff oft inflationär verwendet wird und mancherorts nicht mehr wert zu sein scheint als das Blatt Papier, auf dem er steht.

 

Einer der großen Meilensteine für die Etablierung eines nachhaltigen Tourismus stellt die Agenda 21 dar, welche Regierungsvertreter:innen aus 179 Staaten auf der Rio-Konferenz 1992 verabschiedeten. 2015 haben die Vereinten Nationen mit der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ daran angeknüpft und sich 17 Ziele für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung gesetzt, die Sustainable Development Goals (SDGs).

Umsetzung der Sustainable Development Goals im Vorarlberger Tourismus

Die gesamte touristische Branche soll sich entlang der SDGs ausrichten: von der Anreise über die angebotenen Dienstleistungen und Produkte sowie die Arbeitsbedingungen bis hin zur Abreise. Natur und Kultur müssen geschützt und erhalten bleiben, das Leben der Menschen vor Ort darf nicht beeinträchtigt, ihre Lebensgrundlage nicht gefährdet werden. Wirtschaftliche und soziale Integration von Menschen muss gefördert werden. Tourismus wird in der Agenda 2030 an drei Stellen explizit erwähnt (Ziele 8.9, 12.b und 14.7).

 

Eine konsequente Umsetzung der SDGs im Vorarlberger Tourismus würde konkret bedeuten:

 

  • Faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen
  • Förderung der heimischen Landwirtschaft durch Kauf und Verkauf regionaler Produkte. Unterstützt werden insbesondere Kooperationen mit Betrieben, die eine nachhaltige Lebensmittelproduktion sicherstellen und zum Erhalt der Ökosysteme beitragen.
  • Schaffung inklusiver Arbeitsplätze
  • Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen, um ganztägige und flexible Arbeit zu ermöglichen
  • Förderung von Frauen in Führungspositionen
  • Schonender Umgang mit Wasserressourcen
  • Schonende Nutzung und Erhalt unserer Gewässer
  • Energieeffizienz spielt bei neuen touristischen Projekten und Sanierungen eine wesentliche Rolle. Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen wird forciert.
  • Investitionen in nachhaltige Infrastruktur: öffentlichen Verkehr, Erhalt von Freiflächen etc.
  • Förderung der lokalen Kultur
  • Entscheidungsfindung gestaltet sich auf allen Ebenen bedarfsorientiert, inklusiv, partizipatorisch und repräsentativ, unter Einbindung der Menschen vor Ort.
  • Nutzung sauberer und umweltverträglicher Technologien
  • Bewahrung des Natur- und Kulturerbes
  • Schutz der heimischen Flora und Fauna, Erhalt und Stärkung der Bergökosysteme. Bedrohte Tierarten werden konsequent geschützt.

Klimawandel und Schneesicherheit

Der Klimawandel hat enorme Auswirkungen auf die Schneelage. Die Schneedecke hat seit 1961 bereits um 40 Tage abgenommen und laut Forscher:innen des Projekts FuSE-AT – ein gemeinsames Projekt der ZAMG, Universität Innsbruck, Climate Change Centre Austria und des Schneezentrums Tirol – wird diese Entwicklung unaufhaltsam weiter voranschreiten:

  • In tiefen Lagen unter 400 Meter Seehöhe wird bis 2100 kaum noch Schnee fallen. Ohne wirkungsvolle Klimaschutzmaßnahmen wird es in einem durchschnittlichen Winter nur noch zwei Tage mit geschlossener Schneedecke geben.
  • Auf 100 Meter Seehöhe, dem Bereich, wo sich viele Talstationen und Langlaufloipen befinden, nimmt die Zahl der Tage mit mehr als 10 Zentimeter Schneehöhe ohne globalen Klimaschutz auf 30 ab; werden die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreicht, bleiben 60 Tage mit geschlossener Schneedecke.
  • In Regionen um die 1.500 bis 2.500 Meter Höhe nimmt die Dauer der natürlichen Schneedecke ohne globalen Klimaschutz bis zum Jahr 2100 um 25 Prozent auf 160 Tage ab.

Heiße Sommer und ganzjähriger Tourismus

Die Erderwärmung verändert auch den Sommer und lässt Hitzetage ansteigen. Die Klimaveränderung macht Österreich im Vergleich zu den immer heißeren Ländern des Südens attraktiver im Sommer und vulnerabler in immer wärmeren Wintern. Diese Entwicklungen stellen den Tourismus natürlich vor Herausforderungen, sie können aber auch Chance sein – gerade, wenn es gelingt, die saisonalen Schwankungen beim Gästeaufkommen bestmöglich auszugleichen.

Wenig nachthaltig sind Aktivitäten und Infrastruktur, die zu einem großen Teil des Jahres nicht möglich sind bzw. brachliegen, in kurzer Zeit aber die Umweltbelastungen massiv anwachsen lassen. An ihrer Stelle sollen verstärkt Sommer, Frühling und der immer beliebtere Herbst als attraktive Zeit für Vorarlbergurlaub beworben werden und den Wintertourismus ergänzen – mit dem Ziel einer Ganzjahresauslastung, die wiederum mit mehr Ganzjahresstellen für Mitarbeiter:innen einhergeht. Skigebiete speziell in den tieferen Lagen sind gefordert, angesichts von schwindender Schneesicherheit, schneeunabhängige Angebote zu entwickeln.

"Tourismus, wie wir ihn verstehen, ist mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Wir verkaufen kein klassisches Produkt. Wir bieten Erlebnis, Emotion, Erholung, Entspannung. Wir bieten, wonach sich alle sehnen: stimmige Orte mit Authentizität, Qualität und Sorgsamkeit, von der intakten Natur bis zum heimischen Produkt auf dem Teller."
Nadine Kasper, Tourismussprecherin der Grünen

Mobilität: autofreie Destinationen und Mobilitätsgarantie für alle

Urlaub ohne Stau, Verkehrslärm und Suche nach einem Parkplatz – so soll in Zukunft die entspannte Anreise aussehen: „Bieten wir den Gästen mehr Anreize, ohne eigenes Auto nach Vorarlberg zu kommen“, so Nadine Kasper. „Bieten wir ihnen eine Mobilitätsgarantie in Form von Carsharing, E-Bikes, Transfers ab Bahnhof, kostenlose Nutzung des Öffi-Angebots und Shuttleservice zu den Skigebieten und Langlaufloipen.“

Autofreie Tourismusdestinationen nach den Vorbildern Blatten-Belalp, Wengen oder Zermatt in der Schweiz sollen auch in Vorarlberg entstehen, zeichnet Kasper ein Bild eines neuen Urlaubserlebnisses: „Stellen Sie sich Gargellen oder Brand ohne Autos vor! Mit strahlend weißem Schnee auf den Straßen und den Hausdächern, mit viel Platz für die ganze Familie auch abseits der Piste und Ruhe für Erholung, um den Alltag hinter sich zu lassen – das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das Vorarlberger:innen und Gäste gleichermaßen anzieht.“

ÖBB: Haus-Haus-Gepäck

Mit dem Gepäckservice hat die ÖBB einen Anreiz zur An- und Abreise ohne Auto geschaffen. Die Gepäckstücke werden zu Hause abgeholt und zur Unterkunft innerhalb Österreich, nach Südtirol, Deutschland und in die Schweiz gebracht.

„Landesweit mobil“

Mit der Gästekarte nutzen schon jetzt Gäste des Brandnertals, des Klostertals und der Alpenstadt Bludenz alle Bus- und Bahnverbindungen in Vorarlberg bis zu den Grenzhaltestellen in Deutschland, Tirol und der Schweiz kostenlos.

So ist Vorarlbergs Tourismus ökologisch nachhaltig:
  • Erreichung der SDGs – Daten werden transparent veröffentlicht
  • Indikatoren zur Messung des nachhaltigen touristischen Erfolgs werden festgelegt, wie bspw. ganzjährige Arbeitsplätze im Tourismus, Abfallvermeidungsstrategien, umweltfreundliches Mobilitätsangebot, etc.
  • Modellregionen für plastikfreie Berge und hitzefitte Städte als notwendiger Mehrwert für Bewohner:innen und Tourist:innen
  • Autofreie Tourismusdestinationen
  • Gästecard mit kostenloser Öffi-Nutzung für ganz Vorarlberg
  • Mobilitätsgarantie vor Ort – autofreier Urlaub dank Verleih von E-Bikes, E-Autos etc.
  • Vergünstigungen vor Ort bei klimafreundlicher Anreise
  • Gute Verkehrsleitsysteme
  • Förderungen für umweltzertifizierte Hotels und für Regionen bei ökologischen Projekten
  • Nachweis einer ökologischen Klimabilanz bei Beantragung von Tourismusförderungen

Vorarlberg als Kulinarik-Destination positionieren

Die Sehnsucht nach traditionellen Werten und neuer Lebensqualität spiegelt sich auch im Reiseverhalten vieler Urlauber:innen wider. Viele sind auf der Suche nach Einfachheit, Erlebnis, Authentizität und Erfahrung. Gerade regionale Lebensmittel gewinnen zusehends an Bedeutung. Die Landwirtschaft fungiert hier quasi als „Kitt“ zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit. Ob gesunde, regionale Lebensmittel oder der Erhalt von Kulturlandschaften – vieles steht und fällt damit, ob wir die ob wir die Landwirtschaft bei touristischen Entscheidungen konsequent mitdenken und miteinbinden.

 

Die Grünen wollen, dass noch mehr heimische Zutaten in den Küchen des Landes zum Einsatz kommen. Eine verbindliche Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von tierischen Produkten bringt mehr Transparenz und wäre ein Gewinn für die Gäste und Gastronom:innen. Außerdem sollen die Netzwerke zwischen regionalen Produzent:innen und Tourismusbetrieben gestärkt sowie regionale Vermarktungsstrukturen für einen unkomplizierten Ein- und Verkauf regionaler Produkte aufgebaut werden.

Bio und regional am Berg

In der Freiburger Hütte inmitten des Lechquellengebirges sind alle Speisen selbstgemacht. Die Zutaten stammen vorwiegend aus regionaler und Bio-Landwirtschaft. Bei den Menüs gibt es immer eine vegetarische Variante.

So ist Vorarlbergs Tourismus nachhaltiger Wirtschafts- und Innovationsmotor:
  • Qualitative soziale, ökologische und wirtschaftliche Indikatoren neben quantitativen Indikatoren, um den touristischen Erfolg zu messen
  • Förderungen für kleinstrukturierte Tourismusbetriebe als Ausgleich im Wettbewerb mit Großinvestorenmodellen
  • Abteilungsübergreifende Stabsstelle Tourismus in der Landesverwaltung, die die unterschiedlichen Aspekte – von Mobilität über Seilbahnen, Hotellerie und Gastronomie sowie Naturschutz und Landwirtschaft – unter einen Hut bringt.
  • Produkte aus regionaler Landwirtschaft und Produktion, mehr Bio-Lebensmittel (auch am Berg) und entsprechend angepasste Vermarktungsstrukturen
  • Herkunfts- und Herstellungskennzeichnung zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung
  • (steuerliche) Übernahmeerleichterung bei Betrieben und Sonderförderung fürs letzte Gasthaus oder Hotel im Ort

Tourismusbranche als attraktiver und familienfreundlicher Arbeitgeber

„Vorarlbergs Tourismusdestinationen sollen Orte sein, an denen sich Gäste und Angestellte gleichermaßen wohlfühlen“, sieht Kasper das Potenzial der Vorarlberger Tourismusbranche für den Arbeitsmarkt. Sie will niederschwellige Zugänge für Quereinsteiger:innen und die Möglichkeit verkürzter Ausbildungszeiten fördern. Und nicht zuletzt soll die Tourismusbranche familienfreundlicher werden: Dafür müssen wir weiter an einer flächendeckenden und flexiblen Kinderbetreuung arbeiten, touristische Betriebskinderbetreuung fördern und neue Dienstplan- und Arbeitszeitmodelle entwickeln, die die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit ermöglichen.

Zeit für ein touristisches Raumordnungsprogramm

Die Grüne Tourismussprecherin will Schluss machen mit Investorenmodellen und dafür kleinstrukturierte Familienbetriebe fördern. Daher steht für Kasper die Entwicklung eines touristischen Raumordnungsprogrammes, in dem auch Zweitwohnsitze, Chalet-Dörfer und Investorenmodelle abgebildet sind, an erster Stelle. Land und Gemeinden sollen künftig aktiv mit verbindlichen Plänen zur räumlichen Entwicklung, der Bebauung und Flächenwidmung sowie Gesetzen zum Schutz von Wohnraum eingreifen.

So ist Vorarlbergs Tourismus sozial nachhaltig:
  • Neue Projekte im Einklang mit den drei Existenzgrundlagen „Wirtschaften, Arbeiten, Wohnen“
  • Neue Dienstplan- und Arbeitszeitmodelle als Anreize für Arbeitskräfte vor Ort
  • Ausbau und Flexibilisierung der Kinderbetreuung, Förderung touristischer Betriebskinderbetreuung
  • Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bevölkerung vor Ort hinsichtlich touristischer Entwicklungen werden gestärkt, etwa durch Tourismusbeirät:innen
  • Entwicklung eines nachhaltigen touristischen Raumordnungsprogramms
  • Infrastruktur- und unbegrenzte Zweitwohnsitzabgaben
  • Kapazitätsgrenzen und Stopp bei Großprojekten und Investorenmodellen

Ganzheitliches Verständnis von Tourismus

„Tourismus ist mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Für eine ganzheitliche Planung braucht es eine abteilungsübergreifende Stabsstelle Tourismus im Land, die auch die Bevölkerung vor Ort, die kleinstrukturierten Familienbetriebe und Privatzimmervermieter:innen, die SDGs und die Natur sowie die heimische Landwirtschaft und Gastronomie im Fokus hat“, fordern die Grünen die notwendigen personellen Ressourcen. Denn nur mit einem ganzheitlichen Verständnis von Tourismus können wir Vorarlberg zur nachhaltigsten Destination Europas machen.

Tourismus mit Zukunft - Grünes Tourismuspapier 2022

Tourismus mit Zukunft: Grünes Tourismuspapier 2022

Redaktion Grüne Vorarlberg presse.vorarlberg@gruene.at
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