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am 15. November 2016

Walser warnt vor Wiedereinführung der Ziffernnote an Volksschulen

- Grüne fordern Rücknahme der Verordnung zur Leistungsbeurteilung

„Es ist verrückt und ein pädagogischer Schildbürgerstreich, dass man im Frühjahr 2016 das Aus für die Ziffernnoten in den ersten drei Klassen der Volksschule verkündet hat und diese jetzt im Herbst durch die Hintertür verpflichtend wieder einführt“, zeigt sich Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, über eine Verordnung des Bildungsministeriums zur Leistungsbeurteilung verwundert. Diese Verordnung sieht vor, dass die bisherigen fünf Ziffernnoten durch vorgefertigte Formulierungen ersetzt werden, was nun selbst jene Schulen an die Kandare nimmt, die bislang an einem der 2.000 Schulversuche für alternative Leistungsbeurteilungen beteiligt waren.
„An vielen Volksschulstandorten herrscht Empörung“, berichtet Walser, „und andere wissen angesichts der überbürokratischen Sprache in der Verordnung noch gar nicht, was da im Detail auf sie zukommt.“

Walser verweist darauf, dass viele Lehrkräfte an den Volksschulen nun ausreichend Erfahrung mit alternativen Leistungsbeurteilungen gesammelt haben, von verbalen Beurteilungen und Eltern-Kind-Gesprächen über Pensenbüchern bis hin zu anderen Formen der Lernfortschrittsdokumentation. „Das ist erprobt und hat an den Standorten zur Zufriedenheit von Lehrkräften und Eltern funktioniert. Die verpflichtende Einführung von Beurteilungsstufen, wie in der Verordnung vorgesehen, ist nun aber die Rückkehr zu genau jenem starren System, das ein Großteil der Volksschulen mit den bisherigen Schulversuchen vermieden hat.“ Viele Lehrkräfte haben mit Erfolg Gegenvorschläge zur Ziffernnote umgesetzt, nicht zuletzt, weil zahlreiche Studien einen nur sehr geringen Zusammenhang zwischen den vergebenen Noten und der tatsächlichen Lernleistung belegen. Was in der einen Klasse noch zu einem „Sehr gut“ reicht, könne in der Nachbarklasse zu einem „Genügend“ führen.

Walser fordert die Ministerin auf, diese unsinnige und kontraproduktive Verordnung zurückzunehmen, denn „sie entspricht nicht den im Frühjahr gemachten Versprechungen und macht viele Fortschritte an Schulen in den letzten Jahrzehnten zunichte. Von Schulautonomie zu sprechen und gleichzeitig solche Verordnungen zu erlassen, demotiviert alle am Schulgeschehen beteiligten.“