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am 18. Jänner

Gemeinsames Ziel: Pflegende Angehörige bestmöglich unterstützen

Nadine Kasper - Kasper: FPÖ übersieht Schwachstellen des Angestellten-Modells im Burgenland

„Unser Ziel ist es, allen Menschen die bestmögliche Pflege bereitzustellen und die pflegenden Angehörigen, die hier einen wichtigen Beitrag leisten, optimal zu unterstützen“, sieht Nadine Kasper, Grüne Pflegesprecherin, ein gemeinsames Anliegen mit der FPÖ. Beim Weg dahin herrsche allerdings keine Einigkeit, reagiert Kasper auf den Antrag der FPÖ, das Modell der SPÖ Burgenland für Vorarlberg zu adaptieren.

Dieses Modell, wonach pflegende Angehörige vom Land angestellt werden, weise aktuell noch grobe Schwachstellen auf, weist Kasper FPÖ-Klubobmann Bitschi auf offene Fragen hin: Die grundsätzliche Problematik liege darin, dass Anstellungsverhältnisse im Kontext „familiärer bzw. familiennaher Aufgaben“ arbeitsrechtlich noch viele Fragen offenlasse, so Kasper, zum Beispiel was im Falle von Kündigungen oder Abwesenheit passiereEine weitere Baustelle ortet sie bei den Dienstzeiten: „Pflege durch Angehörige in den eigenen vier Wänden berücksichtigt keinen Dienstplan. Glaubt wirklich jemand, dass eine 20-Stunden-Anstellung im familiären Zusammenhang nach 20 Stunden Arbeitszeit wirklich endet? Wie wird die Nachtbetreuung gezählt? Welche Stunden werden also aufgeschrieben, welche nicht?“

Außerdem bestehe mit einer allfälligen Anstellung von pflegenden Angehörigen die Gefahr, dass dadurch tradierte Rollenteilungen zementiert anstatt überwunden werden, verweist die Grüne Pflegesprecherin auf eine Studie der Universität Wien, die im Auftrag des BMSGPK zur Angehörigenpflege in Österreich durchgeführt wurde. „Derzeit wird diese Aufgabe zum überwiegenden Teil von Frauen geleistet. Zu 73 Prozent übernehmen diese Aufgaben Ehefrauen, Schwestern oder Töchter und Schwiegertöchter. Mit der Anstellung pflegender Angehöriger verfestigen wir diesen Zustand, anstatt nach wirklichen Lösungen zu suchen“, so Kasper. Und an diesen werde aktuell unter Hochdruck gearbeitet, verweist Kasper auf die Pflegereform auf Bundesebene: „Derzeit wird auf Bundesebene an Reformen im Bereich Pflege und pflegende Angehörige gearbeitet. Es ist sicher nicht zielführend, wenn das Bundesland Vorarlberg hier ohne Koordination mit Bund und Ländern einzelne Maßnahmen setzt.“

Ergebnisse der Evaluierung miteinbeziehen, Schwachstellen verbessern

Derzeit werde das Modell im Burgenland evaluiert. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker habe eine genaue Prüfung der Ergebnisse angekündigt. Gleichzeitig werde selbstverständlich konstant an weiteren Verbesserungen für die pflegenden Angehörigen gearbeitet, so Kasper: Dazu gehören neben kostenloser Versicherungsleistung (Pensions- und Krankenversicherung), der weitere Ausbau der ambulanten Dienste sowie der teilstationären Angebote und eine umfassende Betreuung durch das regionale Case Management. Pflegende Angehörige brauchen Auszeiten – daher gibt es die Möglichkeit einer Übergangspflege und Betreuungsmöglichkeiten für einen Urlaub von der Pflege. Neben der zusätzlichen Förderung für die 24-Stundenbetreuung gibt es auch finanzielle Zuwendungen für pflegende Angehörige sowohl von Bundesseite als auch vonseiten des Landes (Zuschuss zum Pflegegeld bei ambulanter Pflege).