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am 7. Juni

Demenzkranke Menschen

Christoph Metzler - Redebeitrag Landtagsitzung 7. Juni 2017

Sehr verehrter Herr Präsident, Hoher Landtag, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher

 Demenz, eine Krankheit mit der wir als Gesellschaft mehr und mehr konfrontiert werden. Eine Krankheit die mittlerweile nicht nur bei den Betroffenen, deren Angehörigen und Zugehörigen sondern auch für viele von uns spürbar wird. Eine Krankheit die dem Gegenüber des Kranken mehr als nur Mitgefühl und aufmunternde Worte abverlangt. Es kommt irgendwie nicht an, das Mitgefühl und die aufmunternden Worte. Überforderung und Ratlosigkeit mit dem Verhalten des Demenzkranken macht sich breit. Diese Herausforderung stellt sich nicht nur der Gesellschaft sondern ganz besonders den Angehörigen und Zugehörigen, den Familien und Freunden aber auch Ärzten und Pflegekräften und dem gesamten Spektrum von Therapeuten. Ist der Umgang mit der Krankheit selbst schon schwierig so ist die Behandlung und Betreuung begleitender Erkrankungen ebenfalls eine große Aufgabe. Nur in einem Zusammenspiel aller kann eine adäquate Versorgung erreicht werden.

Eine sehr komplexe Angelegenheit die nicht nur auf fachlicher Ebene bestmöglich verankert werden muss sondern auch ein Grundverständnis durch und in der Gesellschaft erfordert. Somit bin ich beim ersten Lösungsansatz der in Vorarlberg z.B. mit der Aktion Demenz verfolgt wird. Das sensibilisieren der Bevölkerung durch Informations- und Öffentlichkeitsarbeit ist ganz wichtig. Einmal geht es um den Umgang mit Demenzerkrankten aber auch um das Erkennen von ersten Signalen beim Gegenüber. Das Thema soll und darf auch in Stammtischrunden nicht belächelt und abgetan werden sondern muss auch dort zum Anliegen werden. Wenn wir es in der Gesellschaft schaffen offen dem Thema gegenüberzustehen und nicht einen Schleier darüberlegen, können die vielen Angebote, die mittlerweile vorhanden sind, erst richtig wirken.

Auch wenn noch viel wissenschaftliche Arbeit bezüglich der Ursachenforschung erforderlich ist, sind schon Heute Präventionsangebote wie es z.B. das Kursprogramm „Alt.Jung.Sein. – Lebensqualität im Alter“ anbieten bekanntzumachen und von großer Wichtigkeit. Psychomotorik, Gedächtnis und Kompetenz zu Lebens- und Sinnfragen zu trainieren, wiederzuerlangen bzw. neu zu finden und zu erkennen ist heutigen Erkenntnissen nach ein Schlüssel zur Vorbeugung.

Ist die Krankheit erkannt, richtig diagnostiziert und so gut es geht angenommen geht es darum ein möglichst gutes Leben mit Demenz zu bewerkstelligen. Trotz allem ist Teilhabe und Selbstbestimmung des/der Erkrankten sicherzustellen, wie es als eines der vier Schwerpunktziele der Demenzstrategie in Vorarlberg beschrieben ist.

Spätestens jetzt sind die Fachmenschen gefragt und ein wesentlicher Teil für Betroffene und das ganze Umfeld. Diese sind selber natürlich gefordert und haben ihre Kompetenz auch nicht in die Wiege gelegt bekommen. Ausbildung und Qualifizierung ist ein wichtiges Thema und erfordert Förderung und Anschub durch das Land und die Berufsvereinigungen der Gesundheitsberufe sowie von ambulanten und stationären Einrichtungen.

Ein wichtiger Teil in der Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen stellen die vorhanden Servicestellen rund um Betreuung und Pflege dar. Case Management unterstützt und hilft dabei richtige und individuelle Angebote zu finden. Kostenlose Beratung und somit richtigerweise ohne große Hemmschwellen.

Ein wichtiger Schritt, der eingeleitet wurde, ist die Verbesserung der Kompetenz in den Krankenpflegevereinen. Gerontopsychiatrische Fachkräfte kommen hier vermehrt zum Einsatz und sollen zukünftig ein fixer, flächiger Bestandteil bei den Krankenpflegevereinen im Land darstellen. Ein ganz wichtige Herangehensweise um den ambulanten Bereich im Umgang mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen zu stärken.

So breit wie die Gesellschaft heute aufgestellt ist so breit ist die Anforderung durch neue Krankheitsbilder wie Demenz. Aus meiner Sicht wird in Vorarlberg die Herausforderung angenommen. Gefordert sind ein Hohes Maß an Fachlichkeit und breite Angebote im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich. Unweigerlich stellt sich hier natürlich die Frage der Finanzierung. Im gesamten Pflegebereich werden wir uns darüber den Kopf zerbrechen müssen. Ich denke wir sind, was das Erkennen und Akzeptieren von Demenz angeht, schon gut vorangekommen.

Die Anfrage von Gabi Sprickler Falschlunger zu Demenz mit dem „warum reagiert das Land so spät“ beinhaltet sowohl einen Teil von Kritik aber auch die Komponente es tut sich was. Es gibt sicherlich Fälle in denen eine große Überforderung des Umfelds, wenn vorhanden sei hier hervorzuheben, und des Pflege- und Gesundheitssystem besteht. Fälle die durch ein sehr schwaches soziales Umfeld äußerst schwer sind zu betreuen. Wo die betroffene Person kaum zugänglich ist, was gerade diese Krankheit so an sich hat. Nicht wegschauen von der Gesellschaft, sozialer Nahraum, persönliche Assistenzen und Sozial- und Gesundheitsorganisationen die fachlich und von den Ressourcen her gut aufgestellt sind, sind hier erforderlich.

Das Ganze geht nicht umsonst und ist im wahrsten Sinne des Wortes für die kranke Person und dessen Umfeld nicht umsonst. Jede Hilfestellung zählt. Der Anfragebeantwortung ist zu entnehmen, dass große Anstrengungen in Vorarlberg unternommen werden Hilfestellungen zu bieten. Das Thema ist angekommen in der Gesellschaft und bei den Fachdiensten. Besser werden und mit den Erfahrungen lernen ist ein Teil des täglichen Umgangs mit Erkrankten. Aus meiner Einschätzung ist das Glas halb voll und nicht halb leer.

Gerade der neue Strukturplan Gesundheit, Betreuung und Pflege Vorarlberg 2020/2025 hat sich der Thematik angenommen. Das kann im Sinne der Anfrage von Gabi Sprickler Falschlunger vielleicht als „reagiert das Land so spät“ verstanden werden. Die Phase in der das Ganze als Thema in allen Bereichen der Pflege und Gesundheitsversorgung angekommen ist, ist sicherlich vorbei. Die Orientierungsphase kann als abgeschlossen betrachtet werden. Die vorgesehenen Maßnahmen und Angebote, wie im RSG enthalten und in der Anfrage Beantwortung ausführlich angeführt sicheren eine entsprechende Versorgung ab. Gefordert sind alle, Fachkräfte und Gesellschaft weiter neue Erkenntnisse zu diskutieren, einzubringen und fortlaufend Verbesserungen zu erreichen. Der Weg ist vorgezeichnet und mit gemeinsamen Anstrengungen kann dieser auch gut begangen werden.