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am 29. März

Ein neues Zuhause für Kiebitz, Bekassine und Co.

Johannes Rauch - LR Rauch: Leuchtturmprojekt für den Wiesenbrüterschutz im Nördlichen Schweizer Ried in Lustenau

Das Natura 2000-Gebiet Nördliches Schweizer Ried in Lustenau ist ein bedeutsames Wiesenbrütergebiet. Maßgeblich dazu beigetragen hat etwa die Schaffung eines Ringbiotops auf einer ehemaligen Ackerfläche im Jahr 2013. Die Ortsgemeinde Au als Grundeigentümerin hat nun ein zweites, noch wesentlich größeres solches Feuchtbiotop angelegt. „Damit wird ein neuer Lebensraum für Wiesenbrüter geschaffen und das Europaschutzgebiet zusätzlich aufgewertet“, freute sich Umweltschutzlandesrat Johannes Rauch beim heutigen (Freitag) Pressegespräch vor Ort.

Das Natura 2000-Gebiet Nördliches Schweizer Ried in Lustenau ist ein bedeutsames Brutgebiet für die in Vorarlberg stark bedrohten Wiesenbrüter und beherbergt eines der besten Brutvorkommen des Kiebitzes im Land. Die Ortsgemeinde Au als Grundeigentümer hat jetzt ein knapp 4 Hektar großes Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zur bereits bestehenden Brutinsel zur ökologischen Aufwertung zur Verfügung gestellt. Hegemeister Reinhard Hellmair entwickelte ein ökologisch sehr ausgewogenes Konzept zur Gestaltung und Umsetzung eines „Inselbiotops“.  Das Besondere an dieser Brutinsel ist der eigens für den Kiebitz angelegte Acker. Hier wird die Bewirtschaftung speziell an die Brutbiologie dieser bodenbrütenden Art angepasst.

Zudem schützt ein ringförmig angelegter Graben die Wiesenbrüter vor unerwünschtem Besuch von Beutegreifern wie Fuchs, Dachs oder Marder. Damit erhalten die Kiebitze endlich eine erste fixe Kinderstube in Vorarlberg. Von den Aufwertungsmaßnahmen profitiert auch die als Nahrungsgast regelmäßig im Gebiet vorkommende Bekassine. Aktuell gibt es keine Brutnachweise in Vorarlberg, günstige Voraussetzungen für eine Wiederetablierung als Brutbestand wären nunmehr geschaffen. Weitere Highlights sind abgeflachte Böschungsbereiche, die für durchziehende Arten wie Kampfläufern, Waldwasserläufern, Goldregenpfeifern geeignete Strukturen zum Rasten und für die Nahrungssuche bieten. Ein Abschnitt des Grabens wurde extra für den im Gebiet erfolgreich brütenden Eisvogel als „Brutwand“ gestaltet, da dieser schillernde Vogel Steilwände zur Anlage seiner Bruthöhlen benötigt.

„Wir wollen durch weitere Maßnahmen einen Lebensraum für diese Vogelarten schaffen“, sagte Landesrat Rauch. Es bietet sich an, das bestehende, bestens bewährte Ringbiotop bzw. die Brutinsel zu erweitern, Brachflächen, Flachgewässer und ausgedehnte Grabenabflachungen zu schaffen.  „Durch die Anlage eines zweiten Ringbiotops entsteht in diesem Gebiet ein kleines Paradies für Wiesenbrüter“, betonte Rauch. Das Land Vorarlberg finanziert dieses Projekt mit rund 70.000 Euro aus dem Naturschutzfonds.

Alle Parteien – Grundbesitzer und öffentliche Hand - haben in diesem Projekt hervorragend zusammengearbeitet, sagte Rico Kellenberger, Präsident der Ortsgemeinde Au: „Wir geben der Natur zwei Jahre Zeit, sich ihren Platz zurück zu holen und wir sind gespannt, was und wie es sich entwickelt.“

Feuchtbiotope haben in Lustenau Tradition

Die Gestaltung von Wasserlebensräumen hat in Lustenau bereits Tradition, nicht zuletzt dank der Vorzeigebeispiele der Ortsgemeinde Au. „So konnten allein an der Seelache am Rand des Naturschutzgebietes Obere Mähder im Laufe der Jahre von der Gemeinde insgesamt 18 unterschiedliche Feuchtbiotope angelegt und der benachbarte Gutshof Heidensand auf Biolandwirtschaft umgestellt werden“, zog Bürgermeister Kurt Fischer eine erfreuliche Bilanz: „Wir arbeiten seit vielen Jahren ausgezeichnet mit der Ortsgemeinde Au zusammen. Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen dieses weiteren Leuchtturmprojekts beigetragen haben.“

Factbox Zebra-Biotop

  • ​​Initiator: Urs Lenz (Verantwortlicher für Feld & Riet im Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Au)
  • Konzeption und Gestaltung: Reinhard Hellmair (Hegemeister)
  • Eigentümerin und Projektverantwortung: Ortsgemeinde Au (CH)
  • Biotopfläche: 3,8 Hektar 
  • Bauzeit: 4 Wochen
  • Finanzierung: ca. 70.000 Euro aus Mitteln des Naturschutzfonds
  • Projektumsetzung: Landesflussbauhof
  • Ornithologische Beratung: Jürgen Ulmer
  • Bewirtschafter: Kurt Thurnherr