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am 5. Mai

Naturvielfalt fördern durch neue Strukturen

Johannes Rauch - Gemeinsam sensible Lebensräume der Pflanzen- und Tierwelt schützen

Auf den großflächigen Talvermoorungen im Rheintal und Walgau ist durch die traditionelle Bewirtschaftung der Streuewiesen über die letzten Jahrhunderte hinweg ein besonders artenreicher Lebensraum entstanden. Bei einer großflächigen Mahd geht gleichzeitig der Lebensraum für bedrohte Tierarten wie Schmetterlinge und Pflanzen verloren. Eine kleine Umstellung kann hier Großes bewirken, informiert Naturschutzlandesrat Johannes Rauch: „Bereits ein kleiner Anteil an ungemähten Streuewiesen erhält unverzichtbaren Lebensraum für stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.“

Weitere Medien dazu finden Sie unter http://presse.vorarlberg.at/land/dist/vlk-59136.html

 

Die Streuewiesen, deren Mahdgut überwiegend als Einstreu in den Stallungen diente, wurden früher erst zur arbeitsärmeren Zeit im Herbst gemäht. Wenn es sich um besonders feuchte Wiesen handelte, konnte mitunter erst im Winter bei gefrorenem Boden die Mahd durchgeführt werden. Dadurch entstand auf unseren Riedwiesen ab dem Spätsommer ein Mosaik aus unterschiedlichen Schnittzeitpunkten – und durch diese besonders extensive Art der Bewirtschaftung eine außerordentlich hohe Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. 

Großflächige Mahd ist Gefahr für Schmetterlinge und Pflanzen

Heutzutage werden Streuewiesen in den Tallagen Vorarlbergs oft großflächig bereits Anfang September gemäht. Veränderungen in der Kulturlandschaft, der technische Fortschritt und nicht zuletzt der gesetzliche Mahdtermin ab 1. September begünstigen diese Vereinheitlichung der Herbstmahd. Für die Entwicklung einiger Schmetterlingsarten wie Goldener Scheckenfalter und Lungenenzian-Ameisenbläuling ist dies noch zu früh. Die Raupen dieser europaweit gefährdeten Arten können sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in ihre geschützten Winterquartiere zurückziehen, sondern werden mit dem Schnittgut abgeführt. Auch erst spät im Jahr blühende Pflanzen wie der azurblaue Lungen-Enzian haben in der Regel Anfang September die Samenreife noch nicht erreicht. Werden Streuewiesen im Herbst dauerhaft zu früh gemäht, verschwinden diese farbenprächtigen und stark gefährdeten Arten gänzlich aus unseren Riedwiesen.

„Die sich spät im Jahr entwickelnden Pflanzen- und Tierarten können durch Brachen relativ einfach gefördert werden. Diese Flächen bleiben bis zur Herbstmahd im darauffolgenden Jahr stehen und bieten dadurch wertvollen Lebensraum“, erklärt Petra Häfele, Regionsmanagerin für die Europaschutzgebiete im Rheintal. Nicht nur die seltenen und europaweit geschützten Arten profitieren von diesen Strukturen, auch für viele der heimischen Wildtiere wie Rehe und Feldhasen sind sie ein wichtiger Rückzugs- und Deckungsraum während den Wintermonaten.

Riedrotationsbrachen werden ÖPUL-gefördert

Riedrotationsbrachen sollen jedes Jahr auf der Fläche verschoben werden und nicht zwei Mal hintereinander an der gleichen Stelle bleiben. Einzig jene Bereiche, die zu Verbuschungen neigen oder in die Neophyten, wie die Kanadische Goldrute, eingewandert sind, sollten nicht für die Anlage von Riedbrachen verwendet werden.

Durch Riedrotationsbrachen wird ein erheblicher ökologischer Mehrwert erzielt! Aus diesem Grund werden Landwirte, die einen Teil ihrer Streuewiesen bis zur nächsten Herbstmahd stehen lassen, für die Umsetzung dieser wichtigen Artenschutzmaßnahme über das ÖPUL-Programm gefördert. Und auch das Land Vorarlberg erkennt die ökologische Bedeutung einer Mahdstaffelung an. Seit diesem Jahr werden Streuewiesen, die auf freiwilliger Basis erst ab 1. Oktober gemäht werden, über den Vorarlberger Naturschutzfonds gefördert.

 
Herausgegeben von der Landespressestelle Vorarlberg
Amt der Vorarlberger Landesregierung​