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am 7. Juni

Notschlafstelle für Jugendliche geht in Dornbirn in Betrieb

Katharina Wiesflecker - LR Wiesflecker: Lückenschluss im Hilfesystem für junge Menschen

Nach umfangreichen Vorarbeiten geht die neu eingerichtete Notschlafstelle für bis zu sechs Jugendliche am 16. Juni in Betrieb. Dieses Angebot am Standort in Dornbirn richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren, die von akuter Wohnungslosigkeit betroffen sind. Die jungen Menschen erhalten einen kostenlosen Schlafplatz für die Nacht, die Möglichkeit zum Essen und Duschen sowie für die Zeit des nächtlichen Aufenthalts eine geschützte Atmosphäre.

„Mit der konkreten Umsetzung wurde die koje – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung beauftragt, weil diese bereits jetzt einen sehr niederschwelligen Zugang zur Zielgruppe hat und von den Jugendlichen nicht als ‚Behörde‘ wahrgenommen wird“, sagte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker im heutigen Pressegespräch. 

Es wird davon ausgegangen, dass jährlich ungefähr 15 Jugendliche obdachlos bzw. nicht mehr erreichbar sind. Wohnungslosigkeit werde oftmals verschwiegen, vor allem für Mädchen bedeute sie mitunter die Gefahr der (sexuellen) Ausbeutung, so die Landesrätin.

Von unten nach oben: Landesrätin Katharina Wiesflecker, Tatjana Tschabrun (Leiterin der Notschlafstelle), Thomas Dietrich (Geschäftsführer koje), Bürgermeisterin Andrea Kaufmann, Jochen Jenic (Stv. Leiter der Notschlafstelle)
Die Notschlafstelle für bis zu sechs Jugendliche geht am 16. Juni in Betrieb.

Neue Notschlafstelle

Jugendliche, die von akuter Wohnungslosigkeit betroffen sind, können in der neuen Notschlafstelle übernachten, die Aufenthaltstage sind mit maximal sieben Nächten pro Monat vorgegeben. Die Betroffenen erhalten einen gesicherten Schutzraum und Schlafplatz, Essen und die Möglichkeit zur Körperhygiene und Wäsche zu waschen.

Der Zugang erfolgt durch die Jugendlichen selber, es bestehen keine generellen Zugangskriterien, Grundlage ist die Hausordnung, die den Suchtmittelkonsum, den Waffenbesitz sowie die Gewaltausübung verbieten. Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab dem vollendeten 14. Lebensjahr bis zur Erreichung der Volljährigkeit, bzw. auch für junge Erwachsene bis max. 21 Jahren. Generell kann der/die Jugendliche anonym bleiben, bei der Aufnahme und während des Aufenthaltes wird in der Regel darauf hingearbeitet, dass versucht wird mit den Bezugspersonen des Betroffenen einen Kontakt herzustellen, sofern der/die Jugendliche damit einverstanden ist.

Der Aufenthalt ist von 18.00 Uhr abends bis 09.00 Uhr am Folgetag möglich, ein Verbleib in der Notschlafstelle während des Tages ist nicht möglich.

Personal, Projektdauer:

Für die Aufnahme und Betreuung der Jugendlichen steht ein Team aus ausgebildeten Fachkräften der Sozialarbeit, Psychiatrie und Jugendberatung bereit. Die Leitung hat Tatjana Tschabrun übernommen. Sie hat bereits eine vergleichbare Einrichtung aufgebaut und mehrjährig geleitet. „Ich freue mich auf die Begegnungen mit den Jugendlichen – egal ob aus gesellschaftlich randständigem oder solidem Umfeld. Alle sind willkommen und immer jede Herausforderung und Mühe wert, auch wenn es manchmal mehrerer Anläufe zur Veränderung der schwierigen Lebenssituation bedarf.“

„Die Notschlafstelle für Jugendliche ist eine langjährige Forderung von unterschiedlichsten Seiten“, sagte koje- Geschäftsführer Thomas Dietrich. Das Projekt ist für die Dauer von zwei Jahren angesetzt und wird gemeinsam mit der KOJE, der Offenen Jugendarbeit als Träger, dem Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendanwaltschaft begleitet und laufend evaluiert. Die jährlichen Kosten in Höhe von 500.000 Euro werden im Verhältnis 60:40 von Land und Gemeinden getragen.