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am 8. November

Offene Fragen, lose Antworten

Redaktion Hohenems - Geschlossenes Nein der Emsigen&Grünen zum Wirtschaftsprojekt Kulturhauptstadt

Auf der 30. Stadtvertretersitzung der Stadt Hohenems am 6.11.2018 stand u.a. der Antrag zur Bewerbung als Kulturhauptstadt der Städte Dornbirn, Hohenems und Feldkirch auf der Tagesordnung.

Aus mehreren Gründen haben die Emsigen&Grünen mit Unterstützung des SPÖ-Stadtvertreters den Antrag abgelehnt.

Offene Fragen, lose Antworten

2016 haben die Städte Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch in einer gemeinsamen Stadtvertretungssitzung mit großer Mehrheit (5 Gegenstimmen) beschlossen, dass folgende Punkte zur Bewerbung geklärt werden sollen:

  • Welche kulturellen, kulturpolitischen und politischen Ziele sollen mit dem Projekt "Europäische Kulturhauptstadt 2024" erreicht werden?
  • Wie kann die Finanzierung gemäß den EU-Vorgaben sichergestellt werden?
  • Welche weiteren strategischen Partner/innen im Rheintal und der angrenzenden Regionen werden eingebunden?
  • Wie kann im weiteren Vorbereitungsprozess die Zusammenarbeit mit dem Land gefunden werden?

Die schriftliche Beantwortung dieser Fragen lag dem jetzigen Antrag nicht bei, obwohl die Städte über 2 Jahre Zeit hatten, diese Punkte zu klären.
In vorab verteilten Unterlagen finden sich zwar Ansätze zu möglichen Zielen wie „Stärkung und Vernetzung der Kulturszene, gemeinsam mit der Bevölkerung und den Mitteln der Kunst zukunftsfit werden, Vernetzung und Kooperation – alle sitzen gemeinsam an einem Tisch,…“. Klare, eindeutige, messbare Zieldefinitionen, wie sie im Projektmanagement üblich und notwendig sind, fehlen jedoch. Ebenfalls fehlt die Erläuterung, wie mit dem Land zusammengearbeitet werden soll. Und auch die Finanzierung wurde von uns hinterfragt. 

Wirtschaftsziele vor Kulturzielen?

Eine Kulturhaupstadt muss in erster Linie klare, eindeutige und messbare Ziele im Bereich der Kultur, der Kunst und somit der Menschen haben. Da gilt es kritisch zu betrachten, dass von der FPÖ immer wieder angedeutet wurde, dass die Kulturhauptstadt gebraucht werde, um den Arbeitskräftemangel zu beseitigen, um Fachkräfte im Land zu halten, um junge Menschen nach dem Studium wieder ins Land zu bringen, damit sie hier arbeiten. Wirtschaft und Industrie stünden stark hinter dem Projekt. Wenn aber die Zielsetzung und Argumentation in der öffentlichen Debatte permanent in Richtung Wirtschaft und Unterstützung der Industrie geht, dann stellt sich die Frage, ob das nicht ein Missbrauch der Kunst- und Kulturschaffenden wird. Wenn dann noch jener FPÖ-Bürgermeister (Dieter Egger) davon spricht, dass endlich Grenzen (in den Köpfen) aufgebrochen werden müssen, damit eine kulturelle Vielfalt gelebt werden kann und man sich daran erinnert, dass dieselbe Person 2009 den Sager „Exiljude aus Amerika mit seinem hoch subventionierten Museum“ getätigt hat, bekommt dieses von ÖVP- und FPÖ-BürgermeisterInnen getriebene Projekt einen schalen Beigeschmack, so StR. Mag Patricia Tschallener.

Im Übrigen ist die Vorgehensweise der FPÖ und ÖVP auf Regierungsebene, welche gut integrierte Lehrlinge abschieben lässt und alles tut, um die kulturelle Vielfalt zu unterbinden, man denke an die Deutschförderklassen, in keinster Weise mit diesen angeblichen Kulturhauptstadt-Zielen in Einklang zu bringen. Wir werden daher die Vermutung nicht los, dass dieses Projekt, das theoretisch eine Vielfalt ermöglichen und Grenzen abbauen soll, praktisch nicht für die Kultur und Kunstschaffenden und die Menschen gemacht wird, sondern lediglich als Bürgermeister-Showbühne und als Deckmäntelchen für ÖVP u. FPÖ dienen soll. Und das kann nicht Sinn und Zweck einer Kulturhauptstadt sein! 

Kulturhauptstadt für Kultur- und Kunstschaffende – Ja, das würden wir wollen!

Der Antrag in Hohenems ging dennoch mit 29:7 Stimmen (E&G, SPÖ) durch. Dieser demokratische Beschluss ist anzuerkennen. Die Bewerbung als Kulturhauptstadt ist somit beschlossen, falls auch Dornbirn noch einen positiven Beschluss fasst, wovon auszugehen ist.

Wir Grüne Hohenems werden uns daher natürlich in den Prozess einbringen und vor allem die einzelnen KünstlerInnen und die „kleinen“ Kulturschaffenden voll und ganz unterstützen, damit sie Gehör finden, eingebunden werden und einen positiven Erfolg aus diesem Projekt ziehen können. Wir werden darauf achten, dass die Kulturhauptstadt ein Kulturprojekt und kein Wirtschaftsprojekt wird, mit vorrangig künstlerischen und echten vielfältigen kulturellen Zielen!