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am 3. Februar

Prävention, soziale Dienste, Jugendschutz

Katharina Wiesflecker - Landesrätin Wiesflecker präsentierte den aktuellen Kinder- und Jugendhilfebericht

„Die öffentliche und die private Kinder- und Jugendhilfe leisten großartige Arbeit zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die aus benachteiligten Familien kommen und deren gesundes Aufwachsen gefährdet ist“, sagte Landesrätin Katharina Wiesflecker bei der Vorstellung des aktuellen Kinder- und Jugendhilfeberichts am Montag, 3. Februar, in Dornbirn. Wichtig sei dabei eine breite Positionierung. „Es geht darum die Bekanntheit des gesetzlich verankerten Gewaltverbots in der Erziehung weiter zu steigern, Maßnahmen zur Stärkung der Elternkompetenz zu setzen und selbstverständlich im Sinne des Kinderschutzes ein- und aufzutreten“, so Wiesflecker. Ein neues Angebot der Kinder- und Jugendhilfe ist den sogenannten „Care Leavern“ gewidmet. 

Aus dem Bericht geht hervor, dass Vorarlberg im Vergleich der Altersgruppen eine hohe Rate an Mindestsicherung Beziehenden unter 18 Jahren ausweist. Für die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe bedeute dies, dass die finanziellen Grundbedürfnisse der betreuten Familien oft nur unzureichend gedeckt sind und ein wichtiger Teil der Beratungstätigkeit auch Möglichkeiten der Existenzsicherung umfasst. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte habe die Komplexität der Fälle zugenommen, erklärte Wiesflecker im Pressegespräch gemeinsam mit Bezirkshauptmann Helgar Wurzer und Alexandra Wucher vom Vorarlberger Kinderdorf.

Die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe in Vorarlberg lassen sich in drei große Bereiche untergliedern: Prävention, Soziale Dienste und Sicherung des Kindeswohls. Ein großer Anteil der Arbeitstätigkeit der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe umfasst die Abklärung und Einschätzung im Fall einer drohenden Gefährdung des Kindeswohls sowie anschließend die Fallsteuerung und Hilfeplanung. Gleichzeitig nehmen Angebotsvielfalt und Leistungen zur Prävention und durch niederschwellige soziale Dienste immer mehr zu. Zur Sicherung des Kindeswohls greifen die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe auf den Bezirkshauptmannschaften mit Einverständnis der Obsorge-Berechtigten oder wenn nötig auch aufgrund einer gerichtlichen Verfügung ein. „Es ist sehr positiv, dass in Vorarlberg ambulante Hilfen und auch volle Erziehung in sozialpädagogischen Einrichtungen in über 90 Prozent der Fälle mit Zustimmung der Eltern erfolgen“, sagte Bezirkshauptmann Wurzer.

Besondere Unterstützung für „Care Leaver“
Care Leaver sind junge Menschen, die einen Teil ihres Lebens in öffentlicher Erziehung (z.B. Wohngruppe, Pflegefamilie) verbracht haben und sich im Übergang in ein eigenständiges Erwachsenenleben befinden. Sofern Maßnahmen nicht verlängert wurden, müssen Care Leaver die Betreuungseinrichtung oder Pflegefamilie verlassen, sobald sie volljährig geworden sind. Im Vergleich dazu ziehen junge Erwachsene in Österreich im Durchschnitt erst im Alter von ca. 25 Jahren von Zuhause aus.

„Im Gegensatz zu jenen, die in ihren Herkunftsfamilien aufgewachsen sind, verfügen Care Leaver weniger über stabile private Netzwerke und ausreichende materielle Ressourcen. Sie sind im Hinblick auf ihre Bildungschancen, ihre ökonomische Absicherung und ihre gesundheitliche Situation stark benachteiligt“, erläuterte Alexandra Wucher.

Um Existenzängste zu nehmen und wenn nötig den Weg in die Selbständigkeit weiter zu begleiten, wird für solche junge Erwachsene ein niederschwelliges Beratungsangebot geschaffen, das an jene Einrichtung gekoppelt ist, die den/die Betreffende bis zur Volljährigkeit betreut hat – Vorarlberger Kinderdorf, ifs Vorarlberg, SOS Kinderdorf oder Stiftung Jupident. „Das ist gerade in Krisenzeiten von enormer Bedeutung“, so Landesrätin Wiesflecker. Geplant ist, das Unterstützungsangebot für Care Leaver bis Ende 2022 in ganz Vorarlberg zu etablieren. Wenn es sich bewährt, wird es nach dieser Projektphase ins Regelangebot der Kinder- und Jugendhilfe aufgenommen.