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am 16. Mai

Studie als Grundlage für zukünftige Verbesserung des Wasserhaushaltes

Johannes Rauch - Naturschutzgebiet Rheindelta beherbergt seltene Pflanzen- und Tierarten

Das Naturschutzgebiet Rheindelta ist Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen. Derzeit leiden Bereiche des Gebietes unter einem niedrigen Bodenseewasserstand und geringer Niederschlagsmenge. Eine von der Abteilung für Umwelt- und Klimaschutz in Auftrag gegebene Studie bildet die Grundlage für derzeit laufende Abstimmungen, um den Wasserhaushalt auf lange Sicht zu verbessern. „Aus ökologischer Sicht ist eine Verbesserung des Wasserhaushaltes im Naturschutzgebiet Rheindelta notwendig. Deswegen sind wir auch dran, alle relevanten Akteurinnen und Akteure für dieses Projekt zu gewinnen“, erklärt Umweltlandesrat Johannes Rauch.

Den vollständigen Text dazu finden Sie auch unter https://presse.vorarlberg.at/land/dist/vlk-59240.html

 

„Das Rheindelta ist das bedeutendste Naturschutzgebiet Vorarlbergs und weist die mit Abstand größte Artenvielfalt der Avifauna alle Schutzgebiete in Vorarlberg aus. Deshalb ist es auch ein Ramsar-Schutzgebiet von internationaler Bedeutung. Vor allem im Bodenseebereich brüten und überwintern zahlreiche bedrohte Vogelarten. Am direkten Bodenseeufer konnten zahlreiche positive Artenschutzmaßnahmen (z.B. Flosse und Inseln für Flussseeschwalbe und Lachmöwen) umgesetzt werden. Dafür erhalten wir auch international Lob“, erklärt Natura 2000-Regionsmanager Walter Niederer. 

Über 600 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen wurden im Gebiet bisher beobachtet. Darunter sind Seltenheiten wie der Wassernabel, ein ungewöhnlicher Doldenblütler mit nur einem kreisrunden Blatt, oder die Sommerdrehwurz, eine kleine Orchidee. Beide Pflanzen gelten in Österreich als vom Aussterben bedroht; im Rheindelta haben sie ihre bedeutendsten Vorkommen in ganz Österreich. Das Gebiet ist außerdem der wichtigste Lebensraum für den Kammmolch im gesamten Alpenrheintal und der einzige Lebensraum des Fadenmolchs in Österreich. Ebenso ist es Heimat für zahlreiche gefährdete Libellenarten, seltene Heuschrecken und fast 700 verschiedene Schmetterlinge. Insgesamt wurden über 300 Vogelarten im Rheindelta beobachtet. Die Flachwasserbereiche sind jeden Herbst Rast- und Nahrungsgebiete für zehntausende Wasservögel.  

Zusammenhang mit Bodenseewasserstand

„Die von Birdlife angesprochenen Austrocknungstendenzen betreffen nur die landseitig des Polderdammes gelegenen Streuewiesen. Die Austrocknung von Streuewiesen ist u.a. aufgrund der Witterung - es hat in den letzten zwölf Monaten unterdurchschnittliche Regenmengen gegeben - ein vorarlbergweites Phänomen, das im gesamten Alpenrheintal in den Riedern und Mooren zu beobachten ist. Die Durchnässung unserer Schilf- und Streueflächen im Rheindelta hängt direkt mit dem Bodenseewasserstand zusammen, und dieser ist seit letztem Frühjahr unterdurchschnittlich“, führt Regionsmanager Niederer weiter aus.

2016 hat die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel der Aufbereitung der Grundlagen zur generellen Verbesserung des Wasserhaushaltes im Naturschutzgebiet Rheindelta. Diese liegt nun vor und derzeit werden die relevanten Akteurinnen und Akteure zu Gesprächen eingeladen. „Die Umsetzung eines solch großen Projekts bedarf der Mitwirkung unterschiedlichster Personen und Gruppen. Derzeit sind wir dabei, alle für die Verbesserung des Wasserhaushaltes, und somit die Attraktivierung des Gebietes, zu gewinnen,“ erklärt LR Rauch.

Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Rhein reguliert, um die Hochwassergefahr zu bannen: Begradigt, verkürzt und in die Fußacher Bucht eingeleitet wirken sich die Eingriffe bis heute aus. Mit dem Projekt 1956 zur Entwässerung des Rheindeltas, das in der ersten Ausbauphase von 1956 bis 1962 baulich umgesetzt wurde, ist ein technisches Entwässerungssystem mit Entwässerungsgräben, drei Pumpwerken und dem Polderdamm zum Schutz vor Bodensee-Hochwasser geschaffen und in Betrieb genommen worden. Der Wasserstand landseitig des rund acht Kilometer langen Polderdammes zwischen Altem und Neuem Rhein wird seither künstlich reguliert. Rund 250 Hektar Feuchtwiesen liegen im entwässerten Gebiet.

 
Herausgegeben von der Landespressestelle Vorarlberg
Amt der Vorarlberger Landesregierung​