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am 14. Dezember 2017

Wozu brauchen wir das?

Ekkehard Muther - Bregenz steigt aus Europäischer Kulturhauptstadt 2024 aus.

„Es gibt keine schlüssige Antwort auf die Frage: Wozu brauchen wir die Kulturhauptstadt?“ Das ist in den Augen der Bregenzer Grünen Grund genug für den Ausstieg der Landeshauptstadt.

„Unzählige kluge Menschen haben sich mehr als zwei Jahre lang in unzähligen Sitzungen erfolglos den Kopf über eine überzeugende und allgemein verständliche Begründung zerbrochen“, hält der Kultursprecher der Bregenzer Grünen, Ekkehard Muther, fest. „Offenbar gibt es keine plausible Antwort. Auch wir Grüne haben keine gefunden.“

Bedingungen nicht erfüllt

Neben der Beantwortung der Kernfrage sei es nicht gelungen,

  • ​eine nennenswerte Beteiligung der Öffentlichkeit,
  • die Kulturschaffenden des Landes zu einer positiven Haltung oder gar zur Mitarbeit zu gewinnen,
  • die Finanzierung, die laut EU-Vorgabe zusätzlich zu den bestehenden und bis 2024 zu erwartenden Aufwendungen bereitgestellt werden muss, sicherzustellen.

„Das waren jedoch exakt die Bedingungen, unter denen wir Grüne im Juli 2016 für den Vorbereitungsprozess gestimmt hatten.

„Auch in anderen Fragen war unsere Skepsis begründet“, ist Muther überzeugt. So hieß es, die Kulturhauptstadt könne den eingeschlafenen Prozess vision rheintal wiederbeleben und zur Überwindung des Kirchturmdenkens beitragen. „Das ist blanker Unsinn. Bekanntlich ist die vision rheintal am fehlenden politischen Willen zur Umsetzung, nicht am Mangel an Ideen gescheitert.“


Unglaubwürdige Protagonisten

„Skurril“ findet Muther, dass ausgerechnet Dieter Egger zum vehementesten Propagandisten der Kulturhauptstadt mutiert ist – seit er nämlich Bürgermeister ist. „Er bedient sich der Kulturhauptstadt-Idee, um aus der Schmuddelecke zu kommen, in die er sich mit einer antisemitischen und im übrigen zutiefst kulturfeindlichen Aussage („Exiljude aus Amerika in seinem hochsubventionierten Museum“) manövriert hat.“

Ausgerechnet die FPÖ rittere um einen europäischen Titel, eine Partei, die sonst jeden antieuropäischen und nationalistischen Rülpser freudig begrüßt, sei es von Orban, Kacsynski, Le Pen, Wilders, Trump oder Farage. „Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern ein doppelter Missbrauchsversuch: gegen Europa und die Kultur“, hält Muther abschließend fest.

Ekkehard Muther
Kultursprecher der Bregenzer Grünen