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am 3. September 2020

Kälbertransporte ein Ende machen: Große Handelskette zeigt mit neuer Richtlinie, wie es geht

Daniel Zadra - Mit Vorarlberger Fleischvermarktung können wir Kälbertransporte vollständig verhindern

Die Grünen setzen sich seit Jahren vehement für ein Ende der schrecklichen Kälbertransporte ein. Man müsse das Grundproblem – nämlich dass männliche Kälber als lästiges Nebenprodukt der Milchindustrie betrachtet werden – an der Wurzel beheben: „Vor eineinhalb Jahren habe ich im <5-Punkte-Plan für Milch ohne Kälbertransporte> vorgeschlagen, dass die den Landwirten gehörende Genossenschaft Vorarlberg Milch eine Vermarktungsstruktur für das Fleisch der männlichen Kälber aufbaut. Die österreichische Handelskette Hofer setzt mit ihrer Biolinie genau das jetzt um“, ist Daniel Zadra, Grüner Landwirtschaftssprecher, überzeugt, dass auch die heimische Genossenschaft V-Milch diesen Weg erfolgreich gehen könne.

Neue Richtlinie für männliche Jungtiere

Die neue Richtlinie „Bruderwohl“ der Lebensmittelkette stelle sicher, dass alle männlichen Jungtiere bei Kuh-, Ziegen- und Schafmilchbetrieben am Hof großgezogen werden. Die Kälber der Milchbetriebe werden zumindest vier Monate am Geburtsbetrieb gehalten und bei einem regionalen Schlachthof geschlachtet. Das Fleisch werde unter der bestehenden Biomarke in den Supermärkten vermarktet. Begonnen wurde in einer Milchregion und Ziel sei es, die gesamte Milchproduktion von den Kälbertransporten zu befreien, so die Handelskette.  

Fleisch aus Vorarlberg bleibt in Vorarlberg

„Es ist doch absurd. Wir exportieren lebende Kälber und importieren gleichzeitig massenhaft Fleisch aus dem Ausland. Dieses tierverachtende Karussell müssen wir endlich durchbrechen. Mit einer Fleischvermarktungsoffensive der landwirtschaftlichen Genossenschaft und einem modernen Schlachthof kann es gelingen, dass die Kälber in Vorarlberg bleiben und deren Fleisch endlich wieder den Wert bekommt, den es verdient“, appelliert Zadra erneut an die Vorarlberger Genossenschaft, ihr Sortiment um das heimische Fleisch zu erweitern.

Natürlich sei es erfreulich, dass zumindest die Anzahl der exportierten Kälber in Vorarlberg reduziert werden konnte. Das Ziel müsse aber weiterhin sein, gar keine Kälber aus Vorarlberg in alle Himmelsrichtungen abzutransportieren. „Das kann nur gelingen, indem man den Bäuerinnen und Bauern alternative Wege aufzeigt“, stellt der Grüne Klubobmann abschließend fest.