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am 6. Oktober

WKO verbreitet falsche Zahlen, um gegen Plastikpfand zu mobilisieren

Juliane Alton, Marlene Thalhammer, Christoph Metzler - Nicht Pfandsystem, sondern Nichtstun beim Plastikmüll kommt Steuerzahler*innen teuer

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler will mit Mehrwegquote, Plastikpfand und Herstellerabgabe für Plastikverpackungen gegen die Plastikflut in Österreich vorgehen und so die EU-Vorgaben erfüllen. Gegenwind zu diesen Plänen kommt von der Wirtschaftskammer. Um gegen ein Pfandsystem zu mobilisieren, verbreitet die WKO Zahlen, wonach Vorarlberg 95 Prozent Sammelquote bei PET-Flaschen bereits ohne Pfand erreichen würde. Dass diese Zahlen weder eine richtig zitierte Quelle noch eine nachvollziehbare Datengrundlage aufweisen, kritisierten Juliane Alton und Marlene Thalhammer, Stadträtinnen für Abfallwirtschaft in Dornbirn und Feldkirch, sowie Christoph Metzler, Abfallwirtschaftssprecher der Grünen im Landtag, bei der heutigen Pressekonferenz in Feldkirch vor der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 

„Falsche Zahlen zu präsentieren, um damit gegen ein österreichweites Pfandsystem für PET-Flaschen zu mobilisieren, ist kontraproduktiv“, kritisiert Juliane Alton die Vorgehensweise der Wirtschaftskammer. Laut Abfallanalyse des Vorarlberger Gemeindeverbands liegt die reale Sammelquote für PET-Flaschen in Vorarlberg bei 75 Prozent. Es bestehe auch in Vorarlberg Handlungsbedarf. Hinter der Verbreitung der nicht nachvollziehbaren Zahlen und falschen Quellenangaben vermutet die Dornbirner Stadträtin für Abfallwirtschaft Kalkül. „Als Interessenvertretung unter anderem von Verpackungsherstellern agiert die WKO möglicherweise im Interesse ihrer Mitglieder, sicher aber nicht im Interesse der Allgemeinheit und der Steuerzahler*innen“, so Alton.

Verantwortung nicht auf Konsument*innen abwälzen

Angesichts der vorgeschriebenen Quoten für Recycling und das Sammeln von Kunststoffen sowie der neuen Plastikabgabe der EU brauche es mehr als das Abwälzen der Verantwortung auf die Verbraucher*innen, wie es die Wirtschaftskammer propagiert, so Marlene Thalhammer, Stadträtin für Abfallwirtschaft in Feldkirch: „Die Verantwortung für Reduktion und Wiederverwertung von Kunststoffen muss von den Hersteller*innen wahrgenommen werden. Mehrweggebinde, ein Pfandsystem und die Reduktion von Kunststoffverpackungen sind nötig, um die EU-Ziele zu erreichen,“ verweist Thalhammer auf den 3-Punkte-Plan gegen Plastikflut des Klimaschutzministeriums. 

EU-PlastiksteuerVersäumnisse kommen Steuerzahler*innen teuer

Wer nicht recycelt, bezahlt: Ab 2021 wird eine Plastikabgabe von 80 Cent pro Kilo nicht-wiederverwertbaren Plastikabfalls fällig – rund 160 Millionen Euro würde das Österreich derzeit jährlich kosten. „Nicht die Einführung eines neuen Pfandsystems ist kostenspielig, sondern das Nichtstun beim Plastikmüll kommt die Steuerzahler*innen teuer“, appelliert Christoph Metzler, Sprecher für Abfallwirtschaft der Grünen Vorarlberg, an die WKO, sich für zukunftsfähige Lösungen – Recycling und Mehrwegsysteme – einzusetzen und der Gesellschaft Mehrkosten durch das Festhalten an Einwegplastikartikel zu ersparen.


Presseunterlage: Falsche Zahlen versetzen keine Müllberge_Vorarlberg erfüllt EU-Sammelquote nicht